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Thema: Eleotris amblyopsis (3747-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Eleotris amblyopsis

Ich möchte hier eine Art vorstellen, die bisher in Deutschland so gar nicht bekannt ist und leider auch nicht in den Handel gelangt.

Eleotris amblyopsis sind vom Erscheinungsbild her eher unscheinbare Tiere (weshalb sie vermutlich auch für den Handel eher uninteressant sind). Ihre Körper weisen keinerlei Farbe auf, sind durchgängig braun gefärbt, je nach Stimmung (und Geschlecht) mal sehr dunkel, mal sehr hell. Die Geschlechter sind relativ schwer zu unterscheiden, die Männchen haben eine etwas längere Rückenflosse und sind insgesamt etwas größer und bulliger als die Weibchen. Die Männchen sind ca. 6 cm groß, die Weibchen 5 cm.

Die Tiere stammen aus Französisch Guayana, sind aber recht weit verbreitet. Ihre Verwandschaft mit den Allomogurnda nesolepis können sie spätestens, wenn man sie schwimmen sieht, nicht verleugnen. Beide gehören zur Familie der Eleotridae. Einen gravierenden Unterschied gibt es allerdings: während die A. nesolepis ausgesprochen friedlich sind und durchaus mit anderen Fischen zu vergesellschaften, sind die E. amblyopsis das genaue Gegenteil. Sie dulden keinerlei ähnlich geformte Fische um sich herum und greifen diese an. Mura hatte sie über Nacht mit Bodensalmlern in ein Becken gesetzt. Die Bodensalmler waren am nächsten Morgen alle tot. Eine kurzfristige Vergesellschaftung bei mir mit Corydoras blieb allerdings ohne Folgen.

Ich könnte mir vorstellen, daß die Männchen sehr territorial sind. Ich habe nur eins, deswegen kann ich es nicht mir Sicherheit sagen. Die beiden Weibchen waren untereinander sehr friedlich, auch das verbliebene Pärchen, welches ich jetzt noch habe (ein Weibchen ist aus dem Becken gesprungen) geht sehr freundlich miteinander um, auch wenn das Weibchen oft so tut, als wolle das Männchen es augenblicklich fressen, wenn er sich ihr zuwendet. Ich denke eher, das ist ein "Spielchen" zwischen den Beiden.

Zur Fütterungszeit rücken beide ganz dicht zusammen und stehen abwartend unter der Wasseroberfläche. Sehen sie die rote Schüssel kommen, gehen sie in Körperspannung, schweben dicht übereinander und lassen sich quasi das Futter ins Maul schieben ;o) Sie sind recht unfelxibel in der Futterentdeckung. Fixiert auf den Löffel, bekommen sie nicht mit, wenn das Futter an ihrer Nase vorbei nach unten schwebt. Erst, wenn ich vom Becken weggehe, gehen sie nach unten auf die Suche. Ich füttere ausschliesslich Lebendfutter. Versuche mit Frostfutter waren nicht sehr erfolgreich, aber das kann auch daran liegen, daß sie sehr verwöhnt sind.

Bei den Wasserwerten musste ich auf Risiko gehen, da nichts über sie in Erfahrung zu bringen war. Sie sitzen bei mir im weichen Braunschweiger Leitungswasser bei GH 6, KH 4 und einem pH-Wert von 7,5. Der Temperatur-Wohlfühbereich liegt zwischen 24 und 26 ° C. Dabei geht es ihnen sehr gut.

Die Beckeneinrichtung besteht aus der üblichen Grundelausrüstung :o) Auf dem Boden einige flache Steine, etwas erhöhte Steine, ein paar Pflanzen und zum Trst zwei Röhren, eine größere und eine kleine. Die kleine Röhre wurde noch nie benutzt, die große Röhre und der flache Stein werden im Wechsel begutachtet. Das Männchen busselt oft unter dem Stein, versucht auch immer mal wieder, das Weibchen zu locken, aber sie lässt sich, trotz gut sichtbarem Laichansatz, nicht darauf ein. Es mag sein, daß noch das i-Tüpfelchen fehlt. Ich werde demnächst einmal versuchen, den flachen Stein so zu platzieren, daß eine hinten geschlossene Höhle entstehen kann. Bei den A. nesolepis ist das für das Ablaichen unumgänglich.

Trotz ihrer Unscheinbarkeit sind diese Grundeln für mich ein Highlight. Ihre katzenhafte Bewegungsart, ihre unglaubliche Zutraulichkeit und ihr Umgang miteinander sind immer wieder aufs neue faszinierend zu beobachten. Ich hoffe sehr, daß ich sie nachziehen kann, bevor einem von beiden etwas geschieht. Das Weibchen ist noch recht jung, sie war noch nicht ausgewachsen, als ich sie bekam. Beim Männchen weiß ich leider nicht, wie alt er ist und deswegen auch nicht, wie lange ich noch Freude an ihm haben kann. Aber ich möchte sie nicht missen.

Bewegungsstudie: rechts das Männchen, links das Weibchen

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=rUUD2kvBbCo[/youtube]
LG Jutta

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Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #1
Heute konnte ich feststellen, daß man E. amblyopsis auch mit einem Käscher angeln kann. Ich war tümpeln und habe jede Menge schwarze Mückenlarven, Eintagsfliegenlarven und Daphnien erbeutet. Nachdem ich den Dreck aus der Brühe entfernt hatte, habe ich einen kleinen Kescher damit gefüllt und eine Runde bei den Mädels gedreht, die Laich ansetzen sollen.

Irgendwie war ich abgelenkt und hab den Kescher ins Eleotris-Becken gehalten. Plötzlich zerrt was an dem Kescher und Frollein amblyopsis hing unten am Netz und liess erst wieder los, nachdem ich sie samt dem Kescher aus dem Becken gehoben hatte. Ich glaub, so langsam halte ich die Finger lieber nicht mehr in das Becken  :floet:

Die sind übrigens noch ein kräftiges Stück gewachsen. So langsam zeigt sich die 8cm-Marke.

Aber endlich sieht man einen Laichansatz! Vielleicht wirds ja doch noch was mit den Hübschen......  :aehm:

[smg id=168]

Guckt, sie schäkert mit mir ;o)

[smg id=170]

Herr von und zu gibt die Hoffnung ja nicht auf, daß sie ihn irgendwann doch noch erhört...

[smg id=169]
LG Jutta

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Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #2
Wie sich jetzt langsam zeigt, sind die Beiden wohl noch lange nicht ausgewachsen. Genau wie die Allomogurnda nesolepis bekommt das Männchen nun auch einen Buckel auf dem Kopf. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich habe auch das Gefühl, sie wachsen noch weiter. Inzwischen sind das ein paar ganz schöne Brummer geworden.

Zu meinem Entsetzen musste ich heute feststellen, daß er ein trübes Auge hat. Da hab ich ja Madame im Verdacht. Er wird nun etwas nachdrücklicher mit seinem Balzen und sie zeigt dafür wenig Verständnis. Zicke! Er buddelt inzwischen auch das Aquarium um (gefällt mir ja gut). Aber sie lässt sich nicht erweichen. Die Fotosession gestaltete sich auch wieder etwas schwierig, weil Madame immer gleich Salto vor Freude schlägt, wenn ich ans Aquarium komme: Futter, Futter, Futter! Ich glaub, die muss ich erst ko hauen, bevor ich die anständig ablichten kann... *hmpf*

Nun hab ich erst mal was gegen Verpilzung ins Wasser getan, damit der Dicke wieder heile wird. Das wäre fatal, wenn dem was passierte! Dann durfte ich ihn auch mal in aller Ruhe knipsen und so hab ich gleich mal Vergleichsfotos gemacht, worauf man dann die Geschlechterunterschiede relativ gut erkennen kann. Gibts ja nicht so deutliche bei den Beiden.

Männchen







Weibchen






LG Jutta

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Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #3
Wie groß sind die jetzt ?

Gruß Andi

Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #4
Knapp 8 cm, Andi.
LG Jutta

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Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #5
Schöne Fotos. Die gefallen mir immer besser.

Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #6
Guck mal, Michael. Jetzt hat sich das Verhalten entschieden verändert. Madame fängt jetzt an, das Männchen übelst zu jagen. Der hat richtig Angst vor ihr. Verstehe ich aber auch, das ist ein böses Luder. Gestern abend musste ich aber doch lachen. Da stehen die beiden sich regungslos gegenüber... und er macht nur eine ganz winzige Bewegung vorwärts... da ist sie aber geflüchtet *g* Hab ich ihr gegönnt.

Inzwischen habe ich merkwürdige Aufbauten aus Schieferplatten ins Becken gebracht. Seit beide einen Unterschlupf haben, ist sie nicht mehr ganz so giftig....

Rechts Madame, links der Herr auf der Flucht...

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Frau Speckbacke von unten... irgendwann muss da doch mal was rauskommen, oder?

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LG Jutta

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Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #8
Vielleicht mußt du den Salzgehalt erhöhen, damit die eher in Stimmung kommen. Oder genau das Gegenteil, Wasser weicher machen somit Regenzeit simulieren. Man weiß ja nicht viel von denen.

Aber da die Larven amphidrom sind wäre die Aufzucht sowieso schwierig. Aber ich würde welche nehmen wenn du es hinkriegst. :)

Gruß Andi

Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #9
Hi Andi,

bist Du sicher, daß die Larven amphidrom sind? Meine Vermutung geht ja eher in Richtung A. nesolepis. Irgendwo habe ich auch mal eine Studie über Larven der E. amblyopsis gesehen und meine, da wäre auch von Jungfischen die Rede gewesen. Lassen wir uns überraschen. Bange mach ich mich auch vor winzigen Larven nicht, solange sie nicht kleiner sind als die P. oligactis ;o)

Was die Wasserwerte angeht, hab ich eingentlich alles durch. Mit Brack, ohne Wasserwdchsel und dann viel und kühl... warm.. u.s.w. Nix. Ich glaub eher, daß liegt an der Zicke. Da die direkt neben meinem Arbeitsplatz stehen, hab ich ja den ganzen Tag den Blick auf sie. Er würde ja gern, aber sie will nicht. Im Moment scheint sie PMS zu haben oder so... das geht hin und her. Irgendwann will sie ihre Plautze bestimmt mal loswerden und dann wird das schon.
LG Jutta

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Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #10
Arsène hatte mich letzte Woche auf den Gedanken gebracht, ob die Beiden vielleicht mehr Platz brauchen. Jetzt bin ich mal ein Risiko eingegangen und habe sie (vorerst zum Versuchen) in das 300er gesetzt. Meine sonst so taffen Eleotris wurden plötzlich ganz kleinlaut, weil sie seit 1,5 Jahren keine Beifische mehr gewohnt sind.

Eigentlich galt meine größte Sorge, was die Beiden mit den anderen Fischen machen würden. Womit ich nun gar nicht gerechnet hatte, war, daß die R. rubromaculatus die regelrecht stalken würden. Sobald sich einer der Beiden bewegt, stehen die rubromaculatus Gewehr bei Fuß und lassen sie nicht aus den Augen...

Auch die Mogurnda gehen sehr misstrauisch mit ihnen um. Ich guck mir das mal ein paar Tage an... Notfalls muss ich tatsächlich noch ein großes Becken anschaffen.

Hier hat der Dicke ein Jungtier entdeckt. Wie ein Katze geht er in Position... aber zugestoßen hat er nicht, weil....

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dieser Stalker hier ihm gleich aufs Maul geguckt hat, worauf er dann lieber zur Salzsäule erstarrte.

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LG Jutta

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Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #11
Ohhaa Jutta,

die kleinen würde ich rausnehmen. Nach dem Umsetzen waren meine Oxyeleotris marmorata auch erstmal verstört, aber am nächsten Tag schon wieder Raubfische!!!! :schnappfisch:

Gruß Andi

Re: Eleotris amblyopsis

Antwort #12
*räusper*

Ich wäre sehr dankbar, wenn die Eleotris sich wieder zu Raubfischen mausern würden  :floet: Ich hab von den grauen R. rubromaculatus einen "leichten" Überschuß.... Und da die weiterhin wie die Karnickel sind und ihren Nachwuchs, wie man sieht, nicht fressen, müssen halt andere aufräumen. Ich hoffe, die Mogurnda walten auch mal ihres Amtes, weil.. die Aale sind einfach zu langsam.

Was meine beiden Dicken angeht: sie sind immer noch total verängstigt. Fütterungszeit, normalerweise für die Hexe ein Grund, Salto im Becken zu schlagen, wenn sie die rote Schüssel sieht ;o) Vorhin komme ich ans Becken, liegt der Dicke völlig bewegungslos auf einer Pflanze, Madame ist gar nicht zu sehen. Ich also das übliche Ritual: "Abendessen!" und in der Schüssel gerührt... und halt die Portion ins Becken geworfen. Keine Reaktion von dem Dicken....

Also hab ich mich vor ihn gehockt (die sind erbärmlich kurzsichtig) und ihm die Schüssel vor die Nase gehalten. Plötzlich kommt Madame gaaaanz vorsichtig hinter dem Steinhaufen vor, sieht die Schüssel, kommt langsam näher und wartet... Der Dicke sieht sie, paddelt ganz fix zu ihr hin und dann haben sie sich extra füttern lassen. Und dann wurde der Dicke doch wieder mutig und ist im Becken rumgepirscht, futternderweis. Musste er vermutlich auch mal ausnutzen, daß er fressen darf, ohne geboxt zu werden *g* Aber die Schnecke ist wieder geflüchtet, nachdem Herr Stachelaal wie ein Irrwisch durchs Becken geflogen ist....

Ich denke, die werden sich gewöhnen. Die Mogurnda interessieren sich schon gar nicht mehr für sie. Nun bleibt nur abzuwarten, wie sich die Eleotris benehmen, wenn sie sich erst mal richtig eingelebt haben. Aber ich hab schon einen Notfallplan, falls das nicht klappt.
LG Jutta

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