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Thema: Grundlegendes zur Haltung (5365-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Grundlegendes zur Haltung

Aus aktuellem Anlaß und weil ich gerade bei mir wieder festgestellt habe, daß ich oft bei der Weitergabe von Nachzuchten nicht daran denke, solche Dinge weiter zu geben, möchte ich hier mal ein paar Dinge festhalten:

Wenn ihr Fische bei einem Forenmitglied ersteht, solltet ihr grundsätzlich bei Ankunft die Härte des Wassers messen. Hier gilt:

       
  • von weichem in hartes Wasser setzen = unproblematisch

  •    
  • von hartem in weiches Wasser setzen =sehr problematisch!

Solltet ihr Tiere bekommen, die vorher in relativ hartem Wasser gesessen haben und diese nun in weichem Wasser halten wollen, müsst ihr diese Anpassung langsam vollziehen. Ihr solltet euch also vorher beim Abgebenden erkundigen, welche Wasserhärte er hat und euch nötigenfalls ein kleines Töpfchen Aufhärtesalz besorgen. Damit müsst ihr dann für einige Zeit das Wasser annähernd so aufhärten wie das Ursprungswasser und es erst ganz allmählich weicher machen. (Und bitte hier nicht wieder die Gesamthärte mit der Karbonathärte verwechseln. Wir reden hier immer von der Gesamthärte dh!)

Reines Osmosewasser ist für "normale" Fische völlig ungeeignet! Eine Gesamthärte von unter 6° dh sollte man keinem Fisch, der nicht ursprünglich aus absolutem Weichwasser stammt, auf Dauer nicht zumuten. Erst Recht nicht, wenn er vorher in relativ hartem Wasser gehalten wurde!

Auch eine starke pH-Wert Schwankung sollte vermieden werden. Werden die Tiere also normalerweise in pH 7,5 gehalten, sollte man sie nicht unvermittelt in Wasser mit einem pH-Wert unter 7 oder knapp an 9 setzen. Auch hier haben die Tiere Probleme, sich anzupassen. Empfindliche Arten können dadurch (auch erst nach einiger Zeit) sterben!

Last, but not least, das Thema "Bakterienunverträglichkeit".

Es kommt immer wieder vor, daß neu zugekaufte Tiere ein Massensterben auslösen. Nicht nur bei den neuen Tieren, sondern auch beim Altbestand. Die Ursache liegt bei einer Unverträglichkeit der Bakterienstämme im neuen Heim.
Das beudeutet NICHT, daß die neuen oder die alten Tiere krank sind! Es bedeutet nur, daß grundsätzlich IMMER gewisse Bakterien vorhanden sind, bei den alten Tieren genauso wie bei den neuen. Nun kann es vorkommen, daß das Immunsystem der Tiere mit dem einen oder anderen Bakterienstamm noch nie Berührung hatte und in solchen Massen damit konfrontiert wird, daß das Immunsystem auch nicht schnell genug reagieren kann.
Anzeichen dafür sind häufig blutunterlaufene Flecken am Tier, schnelle Atmung, Flossenklemmen, Taumeln. Stirbt das erste Tier unvermittelt und zeigt nach dem Versterben rote Flecken, müssen SOFORT Gegenmaßnahmen getroffen werden: ein Bakterizid (Sera Baktopur oder ähnliches) und große, häufige Wasserwechsel können dieses Entwicklung noch stoppen, wenn man schnell genug eingreift. Wartet man auch nur einen Tag, kann es schon zu spät sein.

Vorbeugend wäre es, neue Tiere nicht sofort zu dem Altbestand zu setzen, sondern zunächst eine Quarantäne einzurichten. Die neuen Tiere in ein sauberes, unberührtes Becken zu setzen und nun täglöich kleine Mengen des Wassers aus dem einen Becken ind das andere zu geben. Dies über einen Zeitraum von 2-3 Wochen und danach kann man dann die Tiere zusammen setzen.

Wenn man sich diese Mühe nicht machen möchte, sollte man neue Tiere über einen längeren Zeitraum genau beobachten und möglichst das vorbeugende Medikament schon im Haus haben, um sofort reagieren zu können.


Mir tut es unendlich leid, wenn ich Tiere abgegeben habe und plötzlich zu hören oder lesen bekomme, daß die Tiere sterben. Es macht mir ein schlechtes Gewissen, obwohl ich sehr genau weiß, daß meine Tiere sehr gesund und robust sind (soweit dies bei manchen Arten möglich ist). Wenn ich dann plötzlich feststelle, daß einige grundlegenden Regeln der Aquaristik nicht beachtet wurden, erschreckt mich das, weil ich es als selbstverstänlich voraus setze, daß man das weiß. Wie sich gerade herausstellt, ist dem wohl nicht so.
Wenn euch noch etwas einfällt, was für die Ankunft neuer Tiere wichtig ist, schreibt bitte. Ich bin es gerade ein wenig leid, vom Tod der Nachzuchten zu lesen und zu hören.... (Das ist kein Vorwurf an die, die es betrifft, eher an mich, weil ich nicht dran gedacht habe, dieses Wissen weiter zu geben).
LG Jutta

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Re: Grundlegendes zur Haltung

Antwort #1
Guten Morgen,
kann Ferrika da nur zustimmen. Wenn wir Fische neu bekommen, dann haben diese 3 Probleme:
1. Härte ( GH ). Grundeln sind überwiegend Hartwasser bis Brackwasserbewohner und werden wohl auch so gehalten und vermehrt. Sie haben dadurch einen relativ hohen Mineralgehalt im Blut, kommen sie dann aber ins Wasser mit niedrigem Mineralgehalt, strömt das Wasser automatisch dahin, wo mehr Salz gelöst ist -> die Fische ertrinken !!!!!
2. Schadstoffbelastung. Gerade nach langen Transporten kann dieser in der Tüte ganz schön ansteigen, also Vorsicht
3. Bakterien. In jedem unserer Fische leben unzählige Bakterien, die er braucht, mit denen er zusammenlebt; bei einem anderen Fisch sind es andere Bakterien. Setze ich Fische neu zusammen, kommen die Tiere ev. nicht mit den Bakterien des anderen zurecht und es geht schief. Bei den ostafrikanischen Tropheus gibt es Züchter, die haben 2 komplette Stämme verloren, weil sie diese zusammensetzten, obwohl sie jeden Einzelstamm vorher schon jahrelang bei sich - aber alleine - hielten.
Wie ich ja bei meiner Vorstellung schrieb, bin ich homöopathisch tätiger Tierarzt und probiere zur Zeit Folgendes aus: Das Fischeherausfangen und der Transport, das ist ein heftiger Schreck für unsere Tiere. Ich nehme also das bekannteste homöopathische Schreckmittel ACONITUM in der Potenz C200, löse 3 Globuli in 2ml Wasser auf und gebe 5 Tropfen ins Transportwasser ( NICHT die Globuli selbst, der Milchzucker würde Bakterienwachstum förden! ). Bekomme ich neue Fische, kommt in deren Becken ECHINACEA C6, 3 bis 5 Globli, 2x/Tag über 5Tage. Probiert es mal aus, die Medikamente sind apothekenpflichtig aber dort ohne Rezept erhältlich, schaden könnt Ihr aber so den Tieren nicht


ULLI

Re: Grundlegendes zur Haltung

Antwort #2
Hallo,

ja, das ist wirklich schlimm, für beide Seiten. Es macht traurig, wenn man liebevoll Tiere hoch zieht und die dann eingehen, und auf der anderen Seite freut man sich über die neuen Tiere, und dann gehen im schlimmsten Falle auch noch die alten Tiere mit ein.

Eine Kleinigkeit fiel mir noch ein, man sollte natürlich, eben aus bereits genannten Gründen, das Transportwasser nicht mit ins Becken geben.

Und zur besseren Eingewöhnung der Ankömmlinge erkundige ich mich wenn möglich beim Vorhalter, was sie dort am besten gefressen haben.

Außerdem setze ich die Tiere meistens ein, wenn ich das Licht kurz ausmache. Wird nicht nötig sein, aber ich bilde mir ein, daß das mehr Ruhe beinhaltet.

Ein wenig ab vom Thema Grundel, aber man soll auch Vorsicht beim Transport von einigen Corydoras-Arten walten lassen, die in Stress-Situationen "ungemütlich" werden können, also nicht mit anderen Fischen zusammen in einer Tüte, und von denen auch nicht zu viele Tiere in einer kleinen Tüte.

Bettina

Re: Grundlegendes zur Haltung

Antwort #3
Hallo Jutta,
so richtig neue Tipps habe ich nicht, wurde alles schon geschrieben wie ich es handhaben würde.
Bisher wurde immer ein Mittel in den Transportbeutel gegeben, als ich danach fragte, meinte sie damit die Fische nicht so gestresst sind.
Und ich hatte auch danach noch nie Ausfälle, auch nicht als ich die Grundeln einsetzte, das letzte mal hatte ich mir vor eineinhalb Jahren Fische gekauft, also ich habe keinen großen oder bzw. ständigen Wechsel.
Aber in ca. 14 Tagen bekomme ich einen Schwarm von Regenbogenfischen, ich hoffe es geht da alles gut.

Das Ableben mit deinem gezüchteten Nachwuchs tut mir sehr leid, das ist echt schade, ich kann dich gut verstehen.



Freundliche Grüße Uschi

Re: Grundlegendes zur Haltung

Antwort #4
Hallo Jutta,

super, dass Du das hier nochmal in Erinnerung gebracht hast! Ich hab' direkt mal etwas Mineral+ ins Becken der R. leavelli gegeben und sie sind sofort aktiver geworden (auch den Rosenkärpflingen tat's gut, die zeigen ebenfalls mehr Farbe und Schwimmfreude). Du hast ja wohl doch ziemlich viel härteres Wasser als ich. Ich werde die Mineral-Gabe noch ein paar Male wiederholen (im Abstand von einigen Stunden), damit sie sich richtig wohl fühlen.
Viele Grüße

von Kalanella

Re: Grundlegendes zur Haltung

Antwort #5
Hi Kalanella,

wie gut, daß Du noch einmal hier reingesehen hast. Ich hab wieder nicht daran gedacht, Dir das zu sagen. Ist nochmal gut gegangen... ich muss das unbedingt mal irgendwo einstellen, so, daß es nicht übersehen wird.
LG Jutta

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Re: Grundlegendes zur Haltung

Antwort #6
Hei Jutta :)
Habs auch gelesen und werde auch ganz langsam umstellen (Vielleicht mit GH 12 anfangen und dann ganz langsam runter auf 6 oder 7?) Zur Erinnerung : mein Wasser kommt mit GH 0-1 und KH 11 aus der Leitung und wird von mir auf GH 6 aufgesalzen. Und mir war eigentlich auch nicht klar, wie gefährlich das ist. Deshalb ist Deine Erklärung so wichtig. :supi:
Gruß aus Norwegen
Nordstern-Jutta

Re: Grundlegendes zur Haltung

Antwort #7
Hallo zusammen,

Grundeln sind überwiegend Hartwasser bis Brackwasserbewohner und werden wohl auch so gehalten und vermehrt. Sie haben dadurch einen relativ hohen Mineralgehalt im Blut, kommen sie dann aber ins Wasser mit niedrigem Mineralgehalt, strömt das Wasser automatisch dahin, wo mehr Salz gelöst ist -> die Fische ertrinken !!!!!


Uff, das war jetzt aber so etwas von ungenau.
- der Mineralgehalt im blut ist bei allen Wirbeltieren annähernd gleich und keinesfalls von dem Milieu abhängig.
- Fische in mineralarmem Wasser müssen ständig das Wasser aus ihren Körperflüssigkeiten herauspumpen, das durch sogenannte Osmose einströmt.
- Fische in mineralreichem Wasser müssen ständig Salze ausscheiden.
- in welchem Wasser ein Fisch zu leben vermag, hängt davon ab, welchen der beiden Prozesse er ausreichend beherrscht.
- eine Umstellung ist immer schwierig und stressig, weil er Stoffwechsel stark gefordert ist. Es müssen ggf. Pumpproteine in den Zellmembranen ausgetauscht oder in ihrer Zahl verändert werden.
- Ertrinken ist hier der falsche Begriff. Der Fisch erstickt nicht, sondern seine Zellen platzen.

Zitat
Wie ich ja bei meiner Vorstellung schrieb, bin ich homöopathisch tätiger Tierarzt und probiere zur Zeit Folgendes aus: Das Fischeherausfangen und der Transport, das ist ein heftiger Schreck für unsere Tiere. Ich nehme also das bekannteste homöopathische Schreckmittel ACONITUM in der Potenz C200, löse 3 Globuli in 2ml Wasser auf und gebe 5 Tropfen ins Transportwasser ( NICHT die Globuli selbst, der Milchzucker würde Bakterienwachstum förden! ).


1. Zumindest der größte Teil der hochgiftigen Eisenhutwirkstoffe ist nicht wasserlöslich.
2. Milchzucker hingegen ist wasserlöslich, d.h., er gelangt in jedem Fall ins Transportwasser.

Zitat
Bekomme ich neue Fische, kommt in deren Becken ECHINACEA C6, 3 bis 5 Globli, 2x/Tag über 5Tage. Probiert es mal aus, die Medikamente sind apothekenpflichtig aber dort ohne Rezept erhältlich, schaden könnt Ihr aber so den Tieren nicht


Die Wirkung von Sonnenhut ist sehr umstritten, je nach Art wurden sogar Schäden berichtet.
3 bis 5 Globuli in welches Aquarium? 20 l, 54 l, 80 l, 200 l?

Gruß, Klaus