AutorThema: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht  (Gelesen 414 mal)

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Offline nicfish

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Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« am: 20. Februar 2012, 09:48:15 »
Hallo Grundelfreunde,
ich wollte diesen Thread erstellen, um einige Möglichkeiten zum Züchten von Winzigstfutter zu sammeln. Wer also dazu was weiß kann seine Methode hier beschreiben. Ich würde mich freuen, wenn wir viele Vorgehensweisen sammeln können. Ich mach dann gleich mal den Anfang zur Zucht von Paramecien, Euglenas und noch ein paar mehr.

Bei dieser Methode ist es schwierig genau festzulegen, welche Tiere gezüchtet werden, weil es auf die Anzahl der Individuen im Ausgangswasser ankommt. Als Ausgangswasser verwende ich meist 150ml Aquarien- oder Tümpelwasser. In einem 250ml Erlenmayerkolben vermische ich es mit Leitungswasser (ca. 100ml). Den Kolben stelle ich an ein Fenster (egal ob Nord oder nicht). Dazu kommt noch ein Tropfen Milch und !wenig! Heu. Oft wird der Fehler gemacht, dass zuviel Heu oder Milch zugegeben wird. Dadurch kippt aber das Wasser. Im Heu sind auch noch mal Organismen in Dauerzysten. Die Milch dient als Nahrung. Nach zwei Tagen bildet sich bei mir eine Kahmhaut. Darin befinden sich Bakterien, als Futter für Pantoffeltier & CO. Ich habe, wenn alles gut funktioniert, nach ca. 1 Woche schon unzählige Kleinstorganismen. Nun muss man nur noch wieder einen Tropfen Milch verfüttern, wenn das Wasser wieder klar ist. Eine solche Kultur lebt bei mir einen Monat; Danach impfe ich sie über (ca. 50ml in 200ml Leitungswasser). Es ist immer sinnvoll zwei Kulturen laufen zu lassen, da nach dem Überimpfen nur noch wenige Tiere vorhanden sind.

Vielen Dank für eure Mithilfe
(Bilder kommen noch :))

mfg Nico

Offline Ferrika

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #1 am: 20. Februar 2012, 21:23:45 »
Ich versuche gerade, alles mögliche an Kleinstlebewesen heranzuziehen, die für wirklich winzige Fitzellarven (ca. 1,8 mm) tauglich sind.

In ein Becken hatte ich vor einigen Tagen einfach eine Wurzel gelegt, die vorher in einem mit Brachionus plicatilis und Euplotes angeimpften Becken stand. Die Wurzel steht jetzt in reinem Süßwasser, daß Becken ist am Boden völlig mit Mulm verdreckt. Gefüttert hab ich darin in den letzten Tagen eher sporadisch bis gar nicht.

Das hier ist dabei rausgekommen:

ila_rendered

Sieht aus wie Brachionus und Euplotes. Mich wundert, daß die sich so derbe vermehrt haben, zumal es sich um Salzwasserarten handelt... Scheint sie nicht zu interessieren. Ich werde das morgen mal unters Mikroskop legen.
LG Jutta

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Offline Joern

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #2 am: 21. Februar 2012, 09:08:17 »
Moin Jutta,
sehr interessant. Da Brachionus plicatilis eine große Toleranz für die Salinität des Wassers zeigt, ist es aber im "Bereich des Möglichen", zumal die Wurzel sich in dem anderen Becken mit "Salzwasser" vollgesogen hat und nun an das Beckenwasser bis zum Ausgleich Salze abgibt.

Ich persönlich finde Kulturen mit einer Art (wenn sie gut gefressen wird) interessanter als "wilde Kulturen" mit einem unbestimmten "Gewusel" unterschiedlicher Arten verschiedenster Größe. In ungünstigen Fällen wird dann nur ein minimaler Teil der Futterportion gefressen und der "Rest" belastet das Wasser im Aufzuchtbecken. Das Anfangsproblem ist für eine Kultur geeignete Arten zu isolieren (z.B. aus einem Heuaufguß oder Tümpelwasser) und dann die Bedingungen für eine "Massenkultur" herrauszufinden (Wasserwerte, Temperatur, Futter...) - ein spannender Bereich der Aquaristik, bei dem es sich lohnt "über den Tellerrand" zu schauen (Meeresaquarianer, Aquakultur)

Interessante PDF zum Thema Planktonzucht: http://www.aquacare.de/download/prospekt/d_katal_zucht.pdf

Offline nicfish

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #3 am: 21. Februar 2012, 15:41:34 »
Hi Jörn.
Man kann in einer solchen Kultur wie oben von mir beschrieben auch einzelne Tiere züchten. Allerdings ist das sehr schwer! Man müsste alles abkochen und sterile, luftdichte Behälter verwenden. Auch ist es kaum möglich schwierige Arten in Reinkulturen zu züchten. Denn diese werden von Arten, die sich stark ausbreiten (z.B: Pantoffeltierchen) sehr schnell verdrängt. Deine PDF-Datei ist sehr interessant (und lang :blendax:). Allerdings hatte ich noch nicht die Zeit sie ganz durchzulesen.
mfg Nico

Offline Joern

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #4 am: 21. Februar 2012, 16:21:54 »
Zitat
Man kann in einer solchen Kultur wie oben von mir beschrieben auch einzelne Tiere züchten. Allerdings ist das sehr schwer!

Stimmt, aller Anfang ist schwer (oder mühsam). Man muß dazu mit einem einzelnen Rädertierchen  z.B. in einem Reagenzglas (mit einer "sauberen" Algenkultur [Labor]) anfangen einen Stamm aufzubauen. Wird/wurde mit einigen Arten schon gemacht. Es gibt etliche Laborstämme und einige geeignete werden auch als Futterzuchten im Bereich der Aquakultur verwendet. Michael schrieb einen sehr interessanten Artikel in der Amazonas nr. 36 (Juli/August 2011) zum Thema und Jutta hat auch so einiges dazu berichtet. 

Sehr lesenswert:

http://www.ferraqua.de/futterzucht/plicatilis.html
http://www.ferraqua.de/futterzucht.html

http://www.aquatax.de/Lebendfutter/Brachionus_plicatilis/

 :schnappfisch:

Ich bin auf Deine Berichte sehr gespannt, zumal einige mit Hochdruck an Lösungen im Bereich unter 50 µm arbeiten...

Offline Ferrika

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #5 am: 21. Februar 2012, 16:36:49 »
Im Augenblick ist mir mehr danach, überhaupt Futtertiere unter 50µm zu bekommen, die Reinkultur kommt später.... (wenn man das ls Privatmensch überhaupt hinbekommt, Kontaminierungen gehen schneller, als man gucken kann).

Das hier fliegt zur Zeit im Detritus im Aufzuchtbecken herum:

<a href="http://www.youtube.com/watch?v=8msZ0Ks2MVY" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=8msZ0Ks2MVY</a>

Wobei ich noch nachsehen muß, was diese "Pantoffeltierchen" sind, denn die sind sehr klein und sicherlich irgendwann hochinteressant.
LG Jutta

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Offline Ron

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #6 am: 22. Februar 2012, 09:47:50 »
Hallo Jutta,
wenn du Futtertiere unter 50µm suchst, dann schau doch mal hier: http://www.lebendkulturen.de/kulturen/uebersicht/uebersicht.html
Chilomonas paramecium dürfte interessant sein.

Gruß
Ron

Offline Ferrika

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #7 am: 22. Februar 2012, 10:36:21 »
Hi Ron,

dummerweise jagen die Larven im Freiwasser. Da nutzen Chilomonas leider gar nicht. Du hast mich aber auf eine Idee gebracht. Das vermeintliche Pantoffeltiechen im Video.... könnte das irgendein Chilomonas-Verwandter sein? Ich sehe allerdings keine Geißel.
LG Jutta

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Offline Ron

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #8 am: 23. Februar 2012, 14:00:09 »
Hi,
das ist nie und nimmer ein Chilomonas. Es ist ganz klar ein Wimperntierchen. Sogar auf die Gattung Paramecium würde ich mich festlegen. Aber keine Ahnung welche Art, dazu ist die Aufnahme zu schlecht.

Gruß
Ron

Offline nicfish

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #9 am: 27. Februar 2012, 21:20:12 »
Hallo
Ich habe noch eine Zuchtmethode gefunden (ich konnte sie leider noch nicht ausprobieren, da ich keine  Zeit dazu habe): Ein Fadenwurm namens Anguillula silusiae. In einem Gurkenglas (verschließbar!!!!) wird ein halbsteifer Brei von Haferflocken und Milch (2-3cm hoch) angerührt. Dazu 1-2 Teelöffel Substrat einer anderen (laufenden) Kultur und fertig. Der Brei beginnt zu stinken, weßhalb man die Gläser am Besten verschließt (das ist kein Problem, da die Tiere anaerob leben). Die erwachsenen Weibchen kriechen dann die Glaswand herauf, von wo man sie perfekt mit einem Pinsel abstreifen und verfüttern kann.  :schnappfisch: Sie sind auch super Mikroskopieobjekte! Ich werde es mal ausprobieren, wenn ich einen Zuchtansatz herkriege. Im Internet finden sich außerdem noch jede Menge an Infos.
mfg Nico

Offline Joern

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #10 am: 28. Februar 2012, 07:11:02 »
Moin Nico,
das hast Du aber eine ältere Quelle angebohrt...

Was Du meinst ist der Mikrowurm Panagrellus redivivus http://plpnemweb.ucdavis.edu/nemaplex/FerrisPublications/pdf%20files/165Ferris2009.pdf

Einen Ansatz kann ich Dir gern zuschicken (auch Walter und Banana "worms") eine Zuchtanleitung findest Du z.B. hier: http://www.regenbogenfische.com/Literatur/Artikel%20Futtertierzucht%20RBF.pdf

Ich kann auch gern hier mal ein paar "Rezepte" einstellen, statt Speiseöl (Pflanzenöl) verwende ich ein paar Tropfen Lachs- oder Heringsöl und gebe auch etwas Spirulina- oder Chlorellapulver in den Futterbrei (feine Haferflocken oder Semmelmehl mit etwas Hefe).

Wenn Du noch Fragen hast, kann ich später noch mehr dazu schreiben, muss jetzt erstmal los...

Offline Kardi

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #11 am: Gestern um 20:11:00 »
Ich grab den Thread nochmal aus. Hat jemand irgendwann mal was kultiviert, was kleiner ist als Pantoffeltierchen und nicht salzwasserpflichtig?
Ich versuch mich ja grad an der Aufzucht von Nacktlauben und die brauchen auch arg kleines Futter am Anfang. Mit Pantoffels geht es so grade, dauert aber (trotz S-presso gefütterten Pantoffeln!) ewig bis sie dann vom Frischschlupf bis zum "kann Artemien schlucken" kommen. Ein bißchen Abwechslung wäre denke ich gut und ich hätt gern irgendwas Rädertieriges. Ich bin heute losgezogen und hab Wasser aus diversen Tümpeln gesammelt, mal schauen ob da irgendwas draus wird wenn man das Wasser füttert ^^

Auf der "Lebendkulturen" Seite hab ich etwas gestöbert und diese Euglena gracilis und Chilomonas paramecium klingen doch gut, oder? Gehen die irgendwie?

Viele Grüße
Birthe

Offline Ferrika

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Re: Möglichkeiten der Winzigstfutterzucht
« Antwort #12 am: Gestern um 21:53:37 »
Birthe, Euglenia und Konsorten kannst Du vergessen. Da fehlt der Fressreiz wegen der fehlenden Bewegung.

Du kannst aber auch Salzwasserrädertierchen nehmen, das ist auch im Süßwasser kein großes Problem. Wenn Du gar nicht aufsalzen kannst, dann nimm halt weniger Rädertierchen. Die lassen sich aber wenigstens sehr gut anreichern. (Ich empfehle ja die neue Datz, da ist ein Artikel dazu drin *g*)
LG Jutta

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