AutorThema: Rhinogobius zhoui  (Gelesen 3025 mal)

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Offline Kanagawa

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #75 am: 14. Februar 2012, 17:24:25 »
Moin,

ich wollte auch gar nicht in Anspruch nehmen, etwas Neues zu schreiben... ich wollte nur Bekanntes nochmal aufgreifen.

Wer ist denn Zhou Hang? (EDIT: der Entdecker natürlich  :aehm:  :vorn:)

An den Infos bezüglich des ersten (und weiterer?) Fundorte bezüglich Temperatur und Wasserbeschaffenheit wäre ich auch sehr interessiert, denn darüber habe ich bisher nichts gefunden. Hier im Thread steht ja auch nichts darüber.

Ansonsten schließe ich mich Thomas Meinung an... ich sehe da auch nicht so ein großes Problem, bin aber offen für weitere Meinungen. Trotzdem vermute ich eher eine Anfälligkeit von Tieren, Laich und Brut hinsichtlich suboptimaler Wasserparameter. Es wäre ja nicht die einzige Art, die mit abreissenden Dottersäcken bei der Brut etc. auf so etwas reagiert... genau wie Thomas sehe ich die Lösung hier sowohl in relativ niedrigen Temperaturen als auch in der Verwendung von reinem oder überwiegendem Osmosewasser. Ersteres mehr hinsichtlich der Gesundheit und Konstitution der Tiere und der Keimdichte, letzteres in Bezug auf die Entwicklung von Laich und Brut.

Bitte sehe es mir nach, ich möchte die Tiere einfach noch nicht so schnell aufgeben. Bisher sind es ja auch alles nur Vermutungen, oder gibt es fundierte Belege für Deine Theorie der abgeschlossenen Population und der Genarmut? Du schreibst aber doch, daß es mehrere Habitate gibt... dann dürfte die Genarmut doch nicht wirklich gegeben bzw. müßte dann bei anderen Arten ja auch vorhanden sein, oder?

Grüße,
Bernhard

Offline th_friedrich

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #76 am: 14. Februar 2012, 17:35:34 »
Hallo,

hier gibt es den Reisebericht:
http://www.tfhmagazine.com/details/articles/the-little-paradisefish-from-my-ancestors-homeland-full-article.htm

Allerdings ohne Wasserwerte.

Grüße
Thomas

Offline Ferrika

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #77 am: 14. Februar 2012, 17:51:19 »
Moin,

Thomas, Deine Tiere sind Nachzuchten, das ist nicht wirklich vergleichbar, weil die unter völlig anderen Bedingungen aufgewachsen sind. Ich kann zwar bisher noch keine definitive Aussage treffen, wie die sich beim Brüten machen werden, weil zur Zeit tatsächlich Winterpause ist. Aber ich setze im Prinzip meine Hoffnungen auf den Nachwuchs, denn ich weiß aus Kontakten mit jeder Menge anderer Halter von Gruppen, daß die Probleme, die ich geschildert habe, überall bestehen.

Woher ich weiß, daß die Jungs unfruchtbar waren? Die Gelege waren eindeutig NICHT befruchtet. Man kann dies sehen, wenn man scharfe Aufnahmen von den Eiern macht. Abgesehen davon darfst Du gern mal überlegen, woher denn wohl Deine Tiere stammen  :blendax: Die Wasserwerte waren immer die gleichen. Infolge dessen kann es kaum daran gelegen haben, daß plötzlich etliche Gelege hintereinander auftauchten, die sich nicht entwickelten, bis ich mit Zhou Hang korrespondiert habe und der mir erklärte, woher die Tiere stammen. Häufige Wasserwechsel haben dann auch wieder zu befruchteten Gelegen geführt.

Ehrlich gesagt, finde ich Eure Überlegungen etwas merkwürdig. Ihr dürft mir sicherlich schon zutrauen, daß ich nach einem Jahr Haltung und 11 Gelegen und 12 Monaten Rumfummeln und Beobachten und Herumprobieren und (neben Jürgens Glückstreffer des ersten Geleges) als Einzige, die bisher überhaupt ein paar Nachzuchten Zustande gebracht hat, ziemlich genau weiß, wovon ich rede.

@Bernhard

Wer sagt, daß ich sie aufgegeben habe? Denkst Du, ich bemühe mich weiterhin wie bescheuert um die Nachzucht, weil mir die Weiterexistenz der Tiere egal ist? Noch sind die Nachwüchsler nicht geschlechtsreif... zumindest noch nicht soweit, daß sie sich vermehren würden. Es bleibt erst einmal abzuwarten, wie die sich entwickeln. Ansonsten ist mein Repertoir noch nicht ganz ausgeschöpft und ich weiß zumindest inzwischen ansatzweise, wie man ein paar Tiere aus einem Gelege heraus bekommt. Das ist mehr, als manch anderer bisher sagen kann.

Ach ja: Zhou Hang ist der Entdecker und Namnesgeber der Tiere, der die ursprünglich von ihm entdeckte Population auch geheim hält, weil er nicht will, daß die ausgehoben wird. Diese Tiere leben an einer Stelle, die von anderen Menschen fast nie besucht wird und so sind sie da relativ sicher. Und er hat mir keine genauen Wasserwerte durchgegeben, sondern nur weich, dicht an einer Quelle, weit oberhalb einer Population von R. duospilus und sehr abgeschieden von den meisten anderen Fischen im Fluß. Und auch andere Fänge wurden meist dicht an Quellen in sehr sauberem, fließendem Wasser gefunden, was eine Schadstoffanreicherung verhindert und auf Keimarmut schliessen lässt. Aus dem Grunde werden diese Tiere im Aquarium immer einen schweren Stand haben... zumindest die Wildfänge.
LG Jutta

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Offline th_friedrich

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #78 am: 14. Februar 2012, 18:10:19 »
Hallo Jutta,

wir möchten deine Arbeit und Erfolge mit den Tieren sicher nicht in Rede stellen, nur manche Aussagen sind vielleicht missverständlich.
Unfruchtbar heisst bei mir zeugungsunfähig, das verschwindet doch nicht plötzlich wieder. Das die Gelege nicht befruchtet waren liegt aus meiner Sicht an den Wasserparametern (welche auch immer).
Die Info "weich, dicht an einer Quelle" ist mir noch nicht so lange bekannt und deutet doch darauf hin es mal mit sehr weichem und kühlem Wasser zu versuchen. Dies geht (zumindest weich) bisher nicht so aus deinen Angaben hervor.
Auf alle Fälle ist es gut (und damit vielen Dank an Jutta), dass es nun verschiedene Züchter mit sicher auch verschiedenen Parametern mit den Tieren probieren können.

in diesem Sinne, einen schönen Abend und Grüße
Thomas

Offline Ferrika

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #79 am: 14. Februar 2012, 18:41:44 »
Weißt Du, Thomas, daran ist gar nichts mißverständlich. Ja, die Herren waren zeitweise zeugungsunfähig. Das passiert Menschenmännern in bestimmten Berufen übriges auch. Und eine Zeugungsunfähigkeit muß keine endgültige Sache sein. Die kann durch verschiedenste Faktoren ausgelöst werden. In diesem Fall waren es eben zu hohe Konzentrationen von Nitrat/Phosphat. Dem kann man mit großen, häufigen Wasserwechseln entgegen wirken.

Und was das Wasser angeht: ich bekomme hier aus der Leitung (wie man in verschiednen anderen Threats lesen kann) Wasser mit 3° dH und 1,5° KH. Kühl sitzen bei mir alle Rhinogobius und bekommen auch eine nächtliche Absenkung, da ich ja nun schon längere Zeit Rhinogobius aller Art züchte.

Abgesehen davon sind die R. zhoui gegenüber Wasserparametern wie Härte genauso tolerant wie ihre Artgenossen aus der gleichen Gruppe. Und ich gebe ja hier nichts wieder, was ich nicht vorher genau überprüft habe. Wie ich bereits schrieb, stehe ich mit etlichen Haltern in Verbindung, bis in die USA hinein. ALLE, egal, bei welchen Wasserparametern die gehalten werden, haben das gleiche Problem. Sogar Zhou Hang hat gerade zusammen mit einem anderen Halter einen kleinen Artikel in einem Onlinemagazin herausgebracht, wo er ebenfalls diese Probleme beschreibt. Die Unfruchtbarkeit ist dabei das allerkleinste Übel. Das größte dürfte wohl sein, daß die Kerle, egal, was man anstellt, die Gelege auffressen. Ich frag mich manchmal, wie die sich in freier Natur vermehren? Allerdings kann es natürlich auch sein, daß die eine Art Geburtenkontrolle betreiben, um die Population nicht zu dicht werden zu lassen. Jedenfalls hat man nur dann eine Chance, ein paar Jungtiere groß zu ziehen, wenn man ihnen innerhalb der ersten 24 Stunden das Gelege abnimmt. Und dann gehen die Probleme erst recht los, weil wir Menschen eben die Gelegebetreuung nicht gut genug nachstellen können.

Dies alles noch einmal, damit ihr vielleicht mal versteht, warum ich der Meinung bin, daß diese Art evolutionär an ihrem Ende angekommen ist. Das Problem sehe ich im Moment darin, daß alle Fänger auf sie angesetzt sind, die Populationen sind klein, die Vermehrungsstrategie im Eimer.... was passiert dann wohl in kürzester Zeit mit ihnen? Richtig, sie verschwinden!

Wir sprechen uns wieder, wenn ihr mal selbst genügend Erfahrungen mit denen gesammelt habt.
LG Jutta

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Offline th_friedrich

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #80 am: 14. Februar 2012, 20:03:28 »
Hallo Jutta,

das brutpflegende Fische ihre Eier oder den Nachwuchs fressen ist ja von vielen Arten bekannt, falls die Parameter für eine erfolgreiche Aufzucht nicht stimmen. Sehr verbreitet ist dies z. Bsp. bei den Apistogramma.
Ich könnte mir vorstellen das dies hier genauso sein könnte und glaube nicht das es im Naturbiotop so ist. Dann gäbe es sie doch sicher schon nicht mehr. Irgend etwas (aber entscheidendes) fehlt wohl und das findet man nur durch Zufall oder im Studium des Naturbiotops. Insofern sind natürlich jegliche Infos nützlich.
(das Du so weiches Wasser hast wusste ich bisher z. Bsp. nicht)

Grüße
Thomas

Offline Kanagawa

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #81 am: 14. Februar 2012, 23:28:43 »
Moin,

also erstmal vorweg: Jutta, ich möchte Deine Ergebnisse und Erfahrungen auch nicht anzweifeln. Sicher hast Du schon vieles durchprobiert und Einiges von dem, was Du in den letzten beiden Beiträgen geschrieben hast, wußte ich auch nicht. Beispielsweise, daß Du sowohl mit dem Entdecker als auch mit Haltern bis hin in die USA in Kontakt stehst. Wie soll man das auch ahnen? Du hast es vorher nie erwähnt...

Meine Überlegung - und ich denke Thomas ist da ähnlich unterwegs - ist die, daß man selbst als erfahrener Züchter hier und da mal etwas übersieht oder eben einfach nicht alle Eventualitäten abdecken kann. Als erfahrener Aquarianer macht man sich eben so seine Gedanken und versucht, Lösungsansätze zu finden. Das soll ja nicht gegen Dich sein, sondern mit Dir... wenn Du davon Ideen oder Vorschläge bereits widerlegen konntest, dann kannst Du das einfach sagen, aber Du brauchst Dich nicht kritisiert oder widerlegt fühlen  :-*

Ich dachte übrigens, daß Du die Tiere gar nicht mehr ziehst, weil Dein letzter (etwas resignierter) Beitrag dazu am 16.9. war... daher sprach ich von "Aufgeben", tut mir leid, wenn ich da einen falschen Eindruck hatte.


Nun aber zu den ganzen Infos, von denen ich viele noch nicht hatte. Auch wenn meine Erfahrung mit den Tieren bisher nur wenige Monate alt ist, so habe ich doch immerhin Wildfänge, die auf die ein oder andere Änderung meinerseits durchaus positiv reagiert haben. Doch dazu später mehr.

Erstmal danke an Thomas für den Reisebericht, den kannte ich noch nicht. Ich finde ihn durchaus aufschlussreich...

Dann zu den Wasserwerten: die Angaben von Zhou Hang kannte ich auch noch nicht, habe mir das wie gesagt aus dem Paper und anderen Quellen mehr oder weniger zusammengereimt... die detailliertere Angabe von Zhou Hang hilft schon weiter.
Ich habe bereits in den Alpen, den Rocky Mountains, den Anden und in Japan Wasserproben aus quellnahen Bächen entnommen. Allen gemeinsam war die "frische" Temperatur (selbst in den tropischen Anden) und der geringe Leitwert, besonders natürlich nach Regen. Mehr habe ich gar nicht gemessen...
Ich denke auch, daß die Wasserhärte gar nicht groß erheblich ist, auch nicht der Leitwert per se. Es kommt ja immer darauf an, wovon dieser gebildet wird. Es ist mehr die Reinheit des Wassers bezüglich bestimmter Inhaltsstoffe, die wir in den Industrienationen halt immer im Wasser haben, egal ob das nun mit GH 3° oder GH 30° aus dem Hahn kommt.

Hier haben wir ja nun auch bisher 3 verschiedene Paar Schuhe: die (temporäre) Unfruchtbarkeit, das Auffressen des Laichs und die Fehlentwicklung von Laich und Brut.

Du schreibst, daß Du die Ursache für die temporäre Unfruchtbarkeit bereits gefunden hast, nämlich zu hohe Nitrat- und Phosphatwerte. Über welche Konzentrationen reden wir hierbei denn? Mit welchem Ausgangswert kommt Dein Leitungswasser denn jeweils aus dem Hahn?

Das Auffressen des Laichs geht ja mit dem dritten Punkt, der Fehlentwicklung, Hand in Hand. Es gibt ja auch eben - wie Thomas schon schrieb - andere eigentlich brutpflegende Arten, die ihren Laich auffressen. Das macht evolutionär auch einen Sinn, denn wenn die Wasserparameter nicht passen und das Gelege daher "defekt" ist und die Überlebensrate gering wäre, dann macht es für die Tiere mehr Sinn, sich die Biomasse wieder selsbt einzuverleiben, statt sie ungenutzt "vergammeln" zu lassen. Gerade bei Arten aus nährstoff- und nahrungsarmen Gewässern wie quellnahen Bergbächen macht das Sinn.
Und ja, manche Arten werden das im Aquarium fast immer machen, egal wie man sich ein Bein ausreisst. Daher gibt es ja so viele ausgeklügelte Methoden zur künstlichen Aufzucht von Laich und Brut.

Nochmal: ich denke, weiches Wasser ist nicht verkehrt, aber nicht ausschlaggebend. Mir geht es um "reines" Wasser in Bezug auf Schadstoffe, auch ein Wasser mit einer GH von 30° kann diesbezüglich rein sein. Die gemeinten Schadstoffe sind teilweise aquaristisch messbar - Du hast ja selbst Nitrat und Phosphat ins Feld geführt - andere sind es nicht. Pflanzenschutzmittel, Insektizide, andere unerwünschte Chemikalien etc. sind aquaristisch nicht messbar´und in Deutschland zum Glück meist auch nur in Spuren im Leitungswasser vorhanden, das kann aber für Laich und Brut von Wasserorganismen aus quellnahen und anderen "reinen" Habitaten zu viel sein. Ich hatte schon Arten, die eben nur auf Osmosewasser gingen...

Soweit ich mich erinnere, hattest Du es selbst noch nicht mit Osmosewasser versucht. Da Du aber mit zahlreichen Haltern in Kontakt stehst, gehe ich davon aus, daß dort durchaus Leute dabei sind, die das tun. Waren da denn auch welche dabei, die bereits ein Gelege vor dem Männchen retten und aufziehen konnten und damit ein vergleichbares Problem bezüglich Laich- und Brutentwicklung hatten?
Wie gesagt, Auffressen ist das eine, das wird man bei der Art - wie bei so vielen anderen - im Aquarium im Zweifel immer haben, ergo muss man das Gelege trennen. Du hast es ja schon angesprochen: Jürgen hat sein Gelege zu einem guten Anteil in Osmosewasser hochbekommen, abreissende Dottersäcke etc. hatte er nicht zu beklagen. Dabei hat er ja das Gelege auch nur im nackten Becken bei reichlich Sprudelei schlüpfen lassen und die Brut dort mit angereicherten Artemia aufgezogen. Das sollte sich wiederholen lassen, er hat seitdem aber kein Gelege mehr hochgezogen. Aber das steht auf einem anderen Blatt, es kostet eben viel Zeit und Mühe...

Nochmal zur Temperatur: ich habe den Thread nochmal durchforstet... ganz am Anfang schreibst Du, daß Du die Tiere auf 25° gesetzt hast, danach steht zur Temperatur nichts mehr... hast Du das inzwischen geändert? Meine saßen daher auch anfangs auf 25°, vor wenigen Wochen bin ich dann - als mir die Bedingungen im Habitat dämmerten - auf Zimmertemperatur runter gegangen, sprich ich habe den Heizer ausgemacht. Seitdem sind es relativ konstant 19-21° in dem Becken. Die Aktivität bzw. auch Aggressivität der Tiere ist daraufhin etwas zurück gegangen, dafür hat die Grabe-Aktivität deutlich zugenommen und die Damen haben nun teilweise endlich runde Bäuche angesetzt. Nebenbei erwähnt gehe ich seitdem auch mit dem Leitwert runter, aber das steht nicht in direktem Zusammenhang dazu, die beschriebenen Verhaltensweisen sind eindeutig auf die Temperatur zurückzuführen, weil ich das Wasser nur langsam und etwas zeitversetzt gewechselt habe. Und das lediglich deshalb, weil ich keinen Sinn darin sehe, die Tiere auf 300-400µS zu halten, wenn ich einfach durch weniger Mineralsalz-Zugabe (ich verwende derzeit Sera Mineral Salt) auch auf 100-200µS gehen kann.

Nochmal: das Auffressen der Eier halte ich für ein relativ normales, nicht unverbreitetes Verhalten bei bestimmten Arten unter Aquarienbedingungen. Auch die Populationsdichte kann dabei - wie Du schon schriebst - eine Rolle spielen. Das kann dann in einem Großbecken schon wieder anders aussehen...

Und wie gesagt: die künstliche Gelegeaufzucht war bei Jürgen zwar zeit- und pflegeintensiv - da natürlich täglich mit angereicherten Artemia gefüttert, abends der Boden abgesaugt und das Wasser gewechselt werden musste. Ansonsten war das aber alles relativ problemlos... er hatte nach dem Schlupf kaum Ausfälle...


Nochmal: bitte nicht als (ungerechtfertigte) Kritik verstehen, sondern als eine Fachdiskussion, bei der man gemeinsam Argumente zusammenträgt, die zum Erfolg führen könnten.

Bei mir geht die Brutaktivität wie gesagt jetzt los. Ich hoffe, daß ich in absehbarer Zeit zur Stelle bin, um eins der Gelege zu bergen und aufzuziehen. Die Gerätschaften liegen bereit, das Veto meiner Frau habe ich nicht gehört  :floet: und in Sachen Artemia bin ich auch auf dem aktuellen Stand... denn, Jutta, da hast Du völlig Recht, es geht nichts über eigene Erfahrung mit einer Art. Das einzige wirklich Hemmnis ist bei mir - wie bei vielen anderen - der Beruf, aber dazu lasse ich mir auch noch etwas einfallen...

Viele Grüße,
Bernhard

Offline Ferrika

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #82 am: 15. Februar 2012, 07:24:10 »
Moin Bernhard,

auf Deine konkreten Überlegungen: Zur Zeit sind fast alle Gruppen der Halter, mit denen ich in Verbindung stehe, in Winterruhe. Das zieht sich jetzt bereits über 3 Monate hin. Einzig bei Dietzenbach gab es vor drei Wochen ein paar Gelege, woraufhin ich natürlich nach den Bedingungen gefragt habe. Die hatten die Geschlechter komplett voneinander getrennt und nach ca. 6 Wochen paarweise angesetzt. Dies hat zu recht schnellem Ablaichen geführt. Allerdings haben die Gelege ebenfalls die ersten 48 Stunden nicht überlebt.

Nun geht Zhou Hang davon aus, daß es an der jugendlichen Unerfahrenheit der Männchen liegt, daß sie die Gelege auffressen. Den Gedanken hatte ich zu Beginn auch. Aber ich habe ja noch ein Männchen, welches, wie gesagt, bisher 11 Gelege betreut hat. Läge es an der Unerfahrenheit, hätte das spätestens nach dem 3. Gelege aufgehört (Erfahrungswerte von anderen Rhinogobius-Arten). Das ist also nicht die Ursache.

Auch sind die Gelege nicht schadhaft, wie Du vermutest. Nehme ich ihm die ab, entwickeln sich die Embryonen unter bestimmten Bedingungen ganz normal. Hierbei kommt es allerdings darauf an, welches Weibchen gelaicht hat. Ist sie noch jung und es war ihr erstes oder zweites Gelege, werden die Eier sehr ungeschickt angebracht, liegen teilweise falsch herum und entwickeln sich schlecht. Das ist aber normal.
Hat ein Weibchen bereits mehrmals abgelaicht, entwickelt sich bis zum Schlupf alles relativ normal, vorausgesetzt, man wechselt täglich komplett das Becken. Ich habe vorher Versuche mit täglichem Wasserwechsel gemacht. Trotzdem sind ungefähr die Hälfte der Eier Bakterien zum Opfer gefallen. Erst, nachdem ich täglich ein Becken ganz frisch desinfiziert aufgesetzt habe und das Gelege dort hinein gegeben habe, ging die Entwicklung ohne große Verluste von Statten.

Die nächste Hürde ist der Schlupf. Die Embryonen haben große Probleme, aus der Hülle zu kommen. Das hängt mit der künstlichen Bebrütung zusammen. Wenn das Männchen brütet, bewegt er die Eier bis drei Tage von dem Schlupf relativ gemächlich. Ca. drei Tage vor Schlupf wird die Frequenz des Befächelns deutlich erhöht und durch diese stärkere Bewegung entwickelt der Embryo ein Enzym, der die Eihülle auflöst und durchlässig macht. Bei anderen Arten ist es nicht so diffizil, diese Enzymentwicklung in Gang zu setzen. Bei den zhoui aber doch. Ich habe schon verschiedene Methoden probiert, aber ab dem Augenblick, wo der Schlupf einsetzt, kommt es zu Verlusten. Da habe ich noch nicht den richtigen Dreh gefunden. Man sieht die verstärkten Bemühungen der Embryonen, aus der Hülle zu kommen und einige (viele) sterben dabei einfach ab.

Hinzu kommt, daß die Jungtiere sehr früh schlüpfen, mit einem riesigen Dottersack. Das führt dazu, daß sie ca. 7 Tage unbeweglich mit einem Medizinball am Bauch herumliegen. In der Zeit sind sie wieder ungeheuer anfällig für Bakterien und es kommt zu weiteren, großen Verlusten. Auch hier hilft nur tägliche Desinfektion und Umsetzung.

Soweit das, was ich bisher herausgefunden habe. Abschliessend ein paar Zahlen: Die Gelegegröße beträgt zwischen 40 und 60 Eiern. Von einem älteren Weibchen habe ich da einmal 14, einmal 11 Juntiere herausbekommen, von einem jüngeren nur 3. Alle Jungtiere waren gesund und ohne jegliche Fehlentwicklung. Die abgestorbenen Tiere sind o.g. Bedingungen zum Opfer gefallen. Soviel zur These, daß die Männchen die Eier auffressen, weil eine Fehlentwicklung vorliegt.

Es könnte u.U. eher mit der "Enge" zusammen hängen. Die Populationen in den Habitaten sind nicht sonderlich dicht. Evtl. wird auf diese Weise tatsächlich Geburtenkontrolle betrieben, denn die Mädels setzen wirklich alle 6 Wochen Laich an. Sie sind auch ungeheuer dominant und fordernd, während ich mich über die Jungs schon die ganze Zeit lustig mache, weil sie sich den Forderungen der Weiber so deutlich widersetzen. Sie scheinen oft tatsächlich die Vermehrung strikt zu verweigern. Diese Beobachtungen zusammen genommen, könnten vielleicht ein Hinweis auf den Grund dieses Auffressens sein.

Zu den Schadstoffen: Ich habe bei mir die Schadstoffhöhe nicht gemessen. Ich weiß, daß sich hier innerhalb einer Woche die Konzentration stark anreichert, immer daran zu erkennen, daß, wenn ich länger als 7 Tage keinen Wasserwechsel mache, die Scheiben innerhalb kürzester Zeit mit Algen zuwachsen. Wechsle ich das Wasser brav im 7Tage-Rhythmus, bleibt dieses Zuwachsen aus. Aus der Leitung kommt bei mir wenig, unser Wasser ist nah an Osmosewasser. Erstaunlicher- und dankenswerterweise. So ganz diffizil ist es ja offenbar auch nicht, denn die Zeugungsunfähigkeit ist ja, nachdem ich bei den zhoui alle 4 Tage Wasser wechsle, verschwunden.

Temperatur: Auch meine Tiere sitzen in einem Becken ohne Heizung. Allerdings bekomme ich dort, wo sie zur Zeit stehen, keinen ordentlichen, nächtlichen Temperaturabfall hin. Sehe ich auch an meinen R. duospilus, die an der gleichen Stelle stehen und bei denen auch alle Vermehrungsaktivitäten eingestellt sind. Im Augenblick habe ich allerdings ein Problem, da großartig etwas zu ändern, das hängt aber mit ganz anderen Dingen zusammen.

Seit ca. 2 Wochen sind die Herrschaften wieder hochaktiv. Aber, wie ich das bereits kenne, sind die Kerle viel mehr aneinander interessiert als an den Mädels. Sie lassen sich sehr leicht ablenken. Versuche, sie paarweise zur Zucht anzusetzen, führen regelmässig dazu, daß sie in Lethargie verfallen. Ich schätze, ich werde in den sauren Apfel beissen müssen, die Kugelfische und den Blenni aus dem Fensterbecken zu schmeissen und die zhoui dort einzuquartieren. Dann dürfte das nächtliche Absenkproblem wieder gegessen sein. Die R. duospilus waren in diesem Becken immer ganz besonders produktiv.

Noch etwas: Bei den Haltern, die ich kenne, sitzen die Tiere in sehr unterschiedlichen Wasserwerten. Von butterweich (bei mir) bis knüppelhart ist alles dabei. Unterschiede im Verhalten gibt es da aber keine. Absolut nicht. Ein Grund, weshalb ich mich mit den Haltern austausche, ist genau der, abzugleichen, wo welche Fehler liegen, denn die Viecher haben mich schon mehrfach an mir selbst zweifeln lassen. Aber wie sich herausstellt, hängt es eben doch mit ihrer Art zusammen, mit den Bedingungen im Habitat und vermutlich mit ihrer evolutionären Entwicklung. Wenn wir sie für die Aquaristik tauglich machen wollen, müssen wir vermutlich auf die Nachzuchten setzen. Wobei ich wirklich unglaublich gespannt darauf bin, wie die sich verhalten werden. Aber mit den Wildfängen ist man schnell überfordert.

Zum Schluß noch was hierzu:
Zitat
also erstmal vorweg: Jutta, ich möchte Deine Ergebnisse und Erfahrungen auch nicht anzweifeln. Sicher hast Du schon vieles durchprobiert und Einiges von dem, was Du in den letzten beiden Beiträgen geschrieben hast, wußte ich auch nicht. Beispielsweise, daß Du sowohl mit dem Entdecker als auch mit Haltern bis hin in die USA in Kontakt stehst. Wie soll man das auch ahnen? Du hast es vorher nie erwähnt...

Natürlich gebe ich nicht akribisch all meine Aktivitäten wieder. Was mich allerdings etwas angekratzt hat, war die offensichtliche Anzweifelung meiner Beobachtungen und Feststellungen. Wenn das SO nicht gemeint war, wäre es schön, wenn ihr bedenken würdet, daß man in der Schriftform weder Mimik noch Gestik sehen kann.

Thomas hat ganz einfach in Abrede gestellt, daß die Tiere unfruchtbar wurden. Und Du, Bernhard, stimmst ihm mit dem Satz zu: "Ich sehe da auch nicht so ein großes Problem". Dies alles, nachdem ihr wie lange die Tiere besitzt? Sorry, wenn ich darauf angepinkelt reagiere, denn die Pionierarbeit mit allen Rückschlägen, Problemen, Versuchen, Verlusten und Verzweiflungen leiste ich gerade wieder. Wenn dann zwei Leute kommen und mir erklären, daß ich das alles ganz falsch sehe, reagiere ich durchaus etwas allergisch...
LG Jutta

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Offline th_friedrich

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #83 am: 15. Februar 2012, 09:38:52 »
Hallo zusammen,

Wo sind denn die Infos von Jürgen zu finden - die sind an mir vorbeigegangen?

Bernhard: super Zusammenfassung von dir, ich bin schon gespannt auf die weitere Entwicklung.
Da Wildfänge doch immer wieder reinkommen und sicher nicht nur nach Deutschland, kommen die alle aus den Bächen?
(Dann scheint es dort ja einige zu geben)

Jutta, du musst nicht angekrazt sein, war nicht so gemeint. Wollte nur mal kritisch hinterfragen und manche Aussagen kann man halt unterschiedlich interpretieren (für mich heisst unfruchtbar=für immer zeugungsunfähig).

Auf alle Fälle sind jetzt noch weitere Informationen rübergekommen und das finde ich sehr positiv.

Grüße und einen schönen Schneesturmtag
Thomas

Offline Kanagawa

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #84 am: 15. Februar 2012, 11:26:54 »
Jutta,

vielen herzlichen Dank für Deinen langen und sehr aufschlußreichen Beitrag... mir war nicht bewusst, daß Du Dich da dermaßen detailreich mit beschäftigt hast! Hut ab!

Nach der Lektüre Deines Posts steht das alles natürlich in einem etwas anderen Licht... sehr rätselhaft, wieso die Männchen immer den Laich fressen... der Grund wird vermutlich "aquarienbedingt" sein, also die bereits angesprochene "Populationskontrolle" oder ein anderer Grund.

Eventuell frisst das Männchen die Eier auch dann, wenn das Wasser nicht 100%ig ok ist... sprich, wenn es nicht die reine Quellqualität hat, und das ist ja im Heimaquarium kaum möglich. Eventuell würde hier die Haltung im Großbecken und/oder Durchflussbecken Abhilfe schaffen, aber wer hat das schon... es wäre auch nur aus Verständnissicht interessant, aquaristisch wäre das nicht mehr relevant.

Ich bin gespannt, ob und wenn ja nach wie vielen Generationen sich das bei den Nachzuchten herauswächst.
Außerdem bin ich auf Dietzenbachs weiteres Vorgehen gespannt und ob ihnen die Nachzucht mit einer anderen Methode gelingt.

Das mit den Männchen, die mehr mit sich selbst beschäftigt sind, sehe ich bei mir auch. Mal sehen, wie das weitergeht...

Wie gesagt, der Wasserhärte messe ich nicht wirklich eine entscheidende Bedeutung bei, sondern der Wasserreinheit. Wenn man so weiches, nitratarmes Wasser bekomt, dann ist das natürlich erfreulich. Was aber ist mit den anderen Inhaltsstoffen, die ich Ansprach? In Industrieländern mit ihrer intensiven Landwirtschaft hat man eben immer auch Pflanzenschutzmittel, Insektizide, Herbizide etc. mit im Leitungswasser. Ich habe mich zu dem Thema mal lange mit dem Manager eines Wasserversorgers unterhalten, der selber Aquarianer ist. Das war sehr aufschlußreich... bei uns in D haben wir sehr gutes, reines Leitungswasser. Quellwasser ist aber eben doch etwas anderes... wie gesagt, die Zhouis wären nicht die einzige Art, die auf Leitungswasser aus irgendeinem Grund nicht will. Ob es daran liegt, daß die Männchen die Eier fressen, bezweifel ich jetzt einfach mal. Die Empfindlichkeit von Laich und Brut könnte aber durchaus damit zusammen hängen. Das muss nicht so sein, ich würde es aber auf jeden Fall mitbetrachten. Natürlich müsste auch dieses aufbereitete Wasser sehr oft und gründlich gewechselt werden.
Hast Du einen Überblick darüber, wieviele der Halter reines (und natürlich aufgehärtetes) Osmosewasser benutzen? Also kein Verschnitt mit Leitungswasser, sondern 100% Osmose (oder auch VE) mit Mineralsalz?

Das mit dem Schlupfenzym ist sehr interessant und war mir nicht bewusst... erstaunlich, daß man das nicht mit verstärkter Umsprudelung nachbilden kann.

Wäre ich nicht bei Jürgens Aufzucht relativ nah dabei gewesen und wäre es dabei nicht so relativ problemlos gewesen, dann wäre ich gar nicht so hinter dem Thema hinterher... das soll ja auch die anderen Erfahrungen nicht in Frage stellen, sondern ergänzen. Offenbar hatte er irgendwas anders gemacht, was die Aufzucht stark begünstigt hat. Das rauszufinden ist aber gar nicht so einfach... an Glück glaube ich dabei nicht. Ich habe zwar erst wenig Erfahrungen mit den Zhouis, aber dafür jahrelange, in Schul- und Studienzeiten auch sehr intensive Erfahrungen mit der Aufzucht diverser anderer Arten gemacht. An Glück habe ich dabei nie geglaubt, andere wiederum sagen, daß Glück bei der Aufzucht die halbe Miete ist... Ansichtssache  :sorry:

Also Jutta, ich kann Dich verstehen, aber es war wirklich nicht so gemeint: ich ahnte wie gesagt nicht, daß Du so gut wie alle fraglichen Felder schon intensiv abgeklopft hast. Bitte sehe es uns nach, wenn Anregungen doppelt kommen oder wenn Theorien diskutiert werden, die Du bereits be- oder widerlegt hast. Manchmal übersieht man auch einfach etwas oder man vergisst es schlichtweg  :floet:

Zu den Wildfängen: ja, die kommen wohl alle mehr oder wenoger aus dieser Region, genau weiß ich es aber nicht. Da Jutta mit Zhou Hang in Kontakt steht, weiß sie da sicher mehr... scheinbar gibt es da auch einige, der Reisebericht der Erstentdeckung spricht ja auch für sich, denn offenbar gelang ja innerhalb kürzester Zeit in einem Abschnitt der Fang von 20 Tieren.
In der Gerüchteküche heisst es allerdings, daß das bisher abgelegene Habitat durch eine neue Straße erschlossen wurde und die Bäche daher langsam leergefischt werden. Nicht etwa von Aquarienfängern, sondern von der Bevölkerung, die alles, was in diesen Bächen schwimmt, im wahrsten Sinne des Wortes "in die Suppe kloppt"... sollte es also wirklich - wie von Jutta vermutet - einen evolotiven bzw. genetischen Engpass geben, dann dürfte die Ausrottung nicht mehr fern liegen. Sofern an diesem Gerücht etwas dran ist, weißt Du da mehr, Jutta?

Eine noch zu klärende Frage diesbezüglich wäre auch, ob der Bestand wirklich regional abgeschlossen und damit potentiell genetisch verarmt ist. Ist das gesichert? Es kann ja theroetisch auch sein, daß die Art im gesamten Höhenzug östlich von Guangzhou vorkommt, weiß man da mehr?


Zu Jürgen: der hat das nicht weiter dokumentiert, ich habe aber den Verlauf per Mail und auch bei ihm vor Ort verfolgt. Es ist schon ein wenig her, ich hoffe, ich gebe alles korrekt wieder:

Er hatte im Oktober relativ zügig nach Erwerb der Tiere ein Gelege, welches er dem Männchen auch gleich weggenommen hat, denn die Gelegefresserei war da schon bekannt. Das Gelege - es war an einer Schieferplatte befestigt - kam dann in ein 20l-Würfelbecken, welches mit ca. 15l reinem Osmosewasser, aufgehärtet mit Sera Mineral Salt gefüllt war. Außerdem gab es glaube ich bei der Erstbefüllung 1 Teelöffel Kochsalz mit ins Becken, wenn ich mich recht entsinne. Achja, die Erstbefüllung fand mit 50% Wasser aus dem Zuchtbecken (auch 100% Osmose+SeraSalz) und 50% frischem Wasser (Osmose+Sera) statt.

Das Becken lief ohne Bodengrund, also quasi nackt. Die Schieferplatte wurde - wie im Elternbecken mit den Eiern nach unten - auf kleine Blumentöpfchen "aufgebockt". Mit im Becken waren ein Heizstab, der die Temperatur auf minedestens 22° hielt, ein Mini-Oxydator, ein Ausströmer, der am Rande der Schieferplatte die Eier "befächelte" und ein einfacher Schwamm-Lufthebefilter à la "JBL Tek-Air". Außerdem 2 Erlenzapfen. Zu Wasserwechseln und Absaugeaktionen in dieser Zeit muss ich ihn nochmal befragen.

Ein paar Eier - ich glaube, das Gelege bestand aus um die 30 Stück - sind natürlich nichts geworden, da müsste ich ihn nochmal nach Anzahl und Ursachen fragen. Es sind dann aber um die 20 Larven geschlüpft, die auch fast alle überlebt haben, genau 18 Jungfische zieht er gerade auf.
In den ersten Tagen hat er noch nicht gefüttert, der Dottersack ist wie gesagt sehr groß. Ich werde ihn nochmal fragen, was er in dieser Zeit genau mit den Larven gemacht hat, denn offenbar sind sie gerade in dieser Phase besonders empfindlich.

Nach Aufzehrung des Dottersacks hat er mit Selco Spresso angereicherte Artemianauplien gefüttert und täglich abends den Bodengrund abgesaugt und dabei das abgesaugte Wasser erneuert. Nach dem WW-Volumen muss ich auch nochmal fragen.
Tja, und so ging das bis zur Größe von 1,5-2cm, danach sind sie in ein anderes Becken gezogen, wo sie jetzt aufwachsen... der Wuchs ist langsam, die Tiere sind ja nun schon ein knappes halbes Jahr alt und noch nicht abgabefähig, aber im Frühjahr ist es dann wohl so weit...

Ich werde ihn nochmal nach den fraglichen Punkten interviewen und mich melden.

Viele Grüße,
Bernhard

Offline Ferrika

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #85 am: 15. Februar 2012, 12:17:42 »
Ich habe Informationen über zwei Habitate an unterschiedlichen Orten. Das erste war das, wo Roland Numrich seine Tiere her hatte. Dort saßen die Tiere oberhalb eines Wasserfalls (wenn ich das noch richtig erinnere) nah an einer Quelle, während unterhalb des Wasserfalles R. duospilus wohnten. Dort wurde zu dem Zeitpunkt, als die Tiere gefangen wurden, gerade der Neubau eines Hotels geplant und damit wäre dieses Habitat verloren gewesen.

Das zweite ist das von Zhou Hang beschriebene.

Die Tiere, die bei Dietzenbach hereingekommen sind, wurden offensichtlich über einen längeren Zeitraum gesammelt. Der Zustand der Tiere ließ diesen Schluß zu, denn sie sahen so aus, als ob sie längere Zeit unter schlechten Bedingungen gehalten worden wären. Sie waren sehr zerfleddert, dürr und haben diverse Bakterienunverträglichkeiten mitgebracht. All das läßt den Schluß zu, daß da Fänger sammelnderweise am Werk waren.

Dies führt mich zu dem Schluß, daß durchaus verschiedene Habitate vorhanden sind, vermutlich auch recht verstreut. Überall dort werden vermutlich kleinere Populationen sitzen. Die Tiere sehen auch recht unterschiedlich aus. Die Flossenform- und Farbe weicht beträchtlich voneinander ab.

Soweit dazu. Ich kann über gewisse Dinge nur auf Grund meiner Beobachtungen spekulieren. Die Fangorte werden von den Chinesen gut geheim gehalten. Deshalb kann man viele Dinge nicht recherchieren. Aber wenn ich Tiere bekomme, die sehr unterschiedlich aussehen, alle recht jung sind und in so einem Zustand, wie ich es z.B. auch von R. duospilus aus China kenne (die auch immer über einen langen Zeitraum gesammelt und unter sehr schlechten Bedingungen gehalten werden), dann ziehe ich daraus meine Schlüsse.

Was Jürgen angeht: soweit hast Du das richtig wiedergegeben, Bernhard. Ich habe Jürgen durch die ganze Zeit begleitet und ihm genauestens erklärt, was er tun muß, ansonsten hätte er vermutlich noch weniger Jungtiere übrig behalten. Auch so war der Verlust von 50% noch groß genug. Das war kein Glück, das war Anleitung *g* Glück war, daß er gleich ein Gelege bekommen hat, als die Tiere ankamen. Dabei ist es aber leider bisher auch geblieben. Er hat zwar danach noch ein Gelege gehabt, das war aber schneller aufgefressen, als er reagieren konnte.....

Ich weiß übrigens nicht genau, unter welchen Wasserbedingungen andere Halter ihre Tiere pflegen. Wie ich schon schrieb, spielt das eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist die Sauberkeit des Wassers und die Temperatur. Alle anderen Faktoren sind relativ nebensächlich. Inwieweit Belastungen durch Pestizide etc. eine Rolle spielen, weiß ich nicht. Wäre auch sinnlos, denn ansonsten könnte man die Tiere tatsächlich nur noch in Osmosewasser pflegen. Meinen Beobachtungen nach spielen aber Bakterien eine viel größere Rolle, denn alle Verluste am Gelege und den Jungtieren waren auf Bakterien rückführbar und lassen sich durch größte Reinlichkeit vermeiden.

Lediglich die Schlupfprobleme könnten evtl. damit zusammen hängen. Möglicherweise wird die Enzymbildung durch irgendetwas gehemmt. Das lässt sich aber auch erst mit letzter Sicherheit sagen, wenn mal jemand ein Gelege in reinem Osmosewasser erbrütet hat. Oder ein Männchen dazu bringt, es bis zum Schluß zu betreuen *g* Ich werde mir allerdings ganz sicher keine Osmoseanlage zulegen, nur um zhoui zu züchten.
LG Jutta

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Offline Kanagawa

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #86 am: 15. Februar 2012, 12:39:46 »
Moin Jutta,

achso, dann stammt dieses Gerücht wohl von dem Habitat, aus welchem Roland Numrich seine Tiere hatte...

Stimmt, Wildfänge von dort sind tatsächlich in recht schlechtem Zustand... laut Herrn Numrich auch unter anderem darauf zurückzuführen, daß sie in den tieferen gelegenen Sammelanlagen - speziell in HongKong und Guangzhou - gerade im Sommer viel zu warm gehältert werden.
Interessant ist auch die Beobachtung der verschiedenen Phäntotypen der gleichen Art, gutes Indiz für die angestellte Vermutung.

50% Ausfall hat der Jürgen gehabt? Das wußte ich gar nicht mehr? Bei den Eiern oder bei den geschlüpften Larven? Ich muss ihn nochmal fragen, ich krieg das nicht mehr zusammen.

Ich denke, man kann die Art durchaus in "normalem" Leitungswasser pflegen... nur kann es eben sein, daß sie sich nur in Osmosewasser halbwegs effektiv nachziehen lässt. Wäre ja bei Weitem nicht die einzige Aquarienfischart... aber klar, bei so einem Leitungswasser und ansonsten problemlosen Nachzuchten würde ich mir auch nicht extra eine Osmoseanlage anschaffen. In den meisten Großstädten - und Frankfurt gehört eindeutig dazu - bleibt einem nicht viel anderes übrig, wenn man die ein oder andere Art nachziehen will. Das gilt auch und insbesondere für Zwerggarnelen der Gattung Caridina und deren Sulawesi- und Hochzucht-Derivate.

Früher - als ich noch nicht in Frankfurt wohnte und "Seuchenwasser" aus dem Hahn bekam - brauchte ich Osmosewasser eigentlich nur verschnitten für den Zuchtansatz und gelegentlich zur Aufzucht bei empfindlicheren Eiern wie z.B. die einiger Corydoras-Arten... damals reichte mir so eine kleine Tröpfelanlage, die dann aber irgendwann mal die Grötsche gemacht hat. Als ich dann hierher zog, habe ich gleich eine Pump-Anlage gekauft, die mir am Tag knapp 1200l liefern kann und inzwischen benutze ich hier gar kein Leitungswasser mehr... es hat einfach keinen Zweck. Das Wasser in meinem Viertel kommt gemischt aus dem Stadtwald - da geht direkt die Einflugschneise des Rhein-Main-Airports drüber - und aus einer intensiv landwirtschaftlich genutzten Gegend südlich von Frankfurt. Was da nu alles drin ist, weiß ich nicht. Die Analyse ließt sich gut, mittelhartes-hartes Wasser mit wenig Nitrat und Phosphat... aber Flugzeugabgase und die Landwirtschaft dürften das Wasser zu dem machen, was es ist: aquaristisch schlecht geeignet. Das nur zur Erklärung, wieso ich immer auf diesem Thema herumreite  :aehm:

Mit den Bakterien und der Reinlichkeit hast Du sicherlich Recht, keine Frage. Als zusätzlicher Punkt macht mich halt nur stuzig, daß Jürgens Jungfische nach dem Schlupf meines Wissens nach so gut wie alle überlebt haben. Klar, er hat täglich den Boden abgesaugt und das Wasser gewechselt, aber soweit ich mich erinnere weniger als 50% täglich und desinfiziert hat er da gar nichts...

Er hat übrigens seine Nachkommenschaft in reinem Osmosewasser erbrütet.
Das er bisher kein weiteres Gelege hatte ist wohl mehr ein Zeitproblem als alles andere. Er wird jetzt erstmal den aktuellen Wurf hochbringen und diesen dann mit anderen Wildfängen tauschen und mischen, bevor er ein weiteres Gelege aufzieht.

Viele Grüße,
Bernhard

Offline Ferrika

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #87 am: 15. Februar 2012, 12:47:49 »
Also, mein Wissensstand ging bis dahin, daß die Jungtiere geschlüpft waren. Zu dem Zeitpunkt waren es noch 35 oder so. Als ich das nächste Mal nachgefragt habe, wieviele er noch hat, waren es noch 18. Der Rest dürfte dann wohl nach dem Schlupf gestorben sein.

Und daß er momentan kein weiteres Gelege hat, ist dem Umstand zu verdanken, daß die Winterpause hatten. Danach hatte ich ihn nämlich noch vor ein paar Wochen gefragt, weil meine so teilnahmslos in der Gegend rumsaßen. Aber Jürgens Tiere haben sich genauso verhalten wie meine. Übrigens stammt mein Zuchtmännchen aus dem gleichen Stamm wie Jürgens.
LG Jutta

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Offline Kanagawa

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Re: Rhinogobius zhoui
« Antwort #88 am: 15. Februar 2012, 13:43:00 »
Richtig, jetzt in den letzten 2-3 Monaten haben die nichts gemacht... aber davor noch ein paar mal, da hat er aber das Gelege nicht herausgeholt und es wurde zuverlässig gefressen  :schnappfisch:  ???

35 zu 18... Mensch, ich muss ihn doch nochmal fragen, wie das genau war, ich weiß das alles nicht mehr  :sorry:

Auf jeden Fall war doch gerade diese Seite 4 eine wirklich massive Zusammenstellung aktueller Infos zu den Zhouis, danke dafür! Echt genial!!!
Mir machen die Tiere so viel Freude... selten fand ich eine Art gleichzeitig so schön UND interessant. Richtige Charakterfische, die anderen Rhinogobius natürlich auch... aber diese tun es einem besonders an... die Art, wie sie an die Scheibe flitzen, wenns Futter gibt, wie sie es einem aus der Hand schnappen, wie sie sich ansonsten regelrecht anfauchen beim Drohen und dabei beinahe anfangen in ihren Farben zu Leuchten...

Man muss sie lieben!!!  :love:

Grüße,
Bernhard

 


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